»Wir lassen uns nicht im Stich«

 

Susi und Stefan Kraus haben sich in der Schweiz verliebt

 

Berchtesgaden – Susi und Stefan Kraus sind ein Dream-Team – beruflich und privat. Seit fast 20 Jahren sind sie als Wirtsleute, zunächst im Söldenköpfl, seit gut einem Jahr nun in ihrem Restaurant »Bauchgfui«, in Berchtesgaden wohl bekannt. Zum Valentinstag blicken sie zurück auf ihre Liebesgeschichte, die 1992 im schweizerischen Adelboden ihren Anfang nahm.

Susi war eine 22-jährige Drogistin, Stefan 21 und 2. Küchenchef in einem 4-Sterne-Hotel. »Adelboden ist ein sehr kleiner Ort«, grinst Susi. Dort ging man in die Lohner-Bar – »wie hier die Kaserbar«, erklärt die Schweizerin. Stefan erzählt weiter, mit Blick zu seiner Frau: »Deine Freundin war ja damals Patissier. Über sie haben wir uns kennen gelernt.«

Stefan ist ein Schönauer, Susi stammt gebürtig aus Bauma im Zürcher Oberland – gab es da keine Sprachbarriere? »Nein, Stefan konnte ziemlich gut Schwizerdütsch«, so Susi. Er war zu diesem Zeitpunkt nämlich schon zwei Jahre im Land, als Koch im Grand Hotel Dolder in Zürich.

»Ich weiß noch, er hat so viele Witze erzählt – das hat mir gefallen«, lacht die 47-Jährige. Die beiden sind in der Folge oft gemeinsam Skifahren gegangen – »und danach sind wir viel eingekehrt«, lacht Stefan. Nach wenigen Jahren ging das Paar nach Luzern, wo beide sehr gute Jobs bekamen: Stefan als Küchenchef und Susi bei der Kosmetikmarke Estée Lauder.

1998, als Susi hochschwanger mit ihrer ersten Tochter Céline war, bekam das Paar ein Angebot aus Berchtesgaden – ob sie das Söldenköpfl übernehmen wollen. »Céline kam dann gerade noch in der Schweiz auf die Welt, dann sind wir nach Berchtesgaden gezogen«, erzählt die 47-Jährige.

Und warum blieb das Paar nicht gemeinsam in der Schweiz? »Ich durfte die Entscheidung treffen«, antwortet Susi. »Ich wollte Stefan bei seinem Traum unterstützen, sich selbstständig zu machen.« Und zudem seien die Arbeitszeiten am Söldenköpfl besser mit der Familie vereinbar: »Wenn man ein Baby hat, ist es schön, wenn man abends daheim sein kann«, fügt Stefan an. Bei der Stelle in der Schweiz wäre das nicht der Fall gewesen.

Leicht war die Entscheidung trotzdem nicht: »Ich bin halt eine Vollblut-Schweizerin«, seufzt Susi. Am Anfang hatte sie auch etwas Heimweh. Aber schließlich waren beide glücklich 18 Jahre lang die Wirte am Söldenköpfl und jetzt ebenso glücklich in ihrem eigenen Bistro, dem »Bauchgfui« im Mart Berchtesgaden.

Das Ehepaar Kraus arbeitet also schon seit Jahrzehnten zusammen – und sieht sich so 24 Stunden täglich. Geht man sich da nicht irgendwann mal auf die Nerven? Die beiden sehen sich an: »Nein«, lautet die Antwort. Susi vermutet: »Es gibt sicher Paare, die könnten das nicht. Aber da wir immer schon viel zusammen waren, ist es für uns ganz normal.« Stefan ergänzt: »Wir können uns immer aufeinander verlassen, wir lassen uns nicht gegenseitig im Stich.« Auch in einer anderen Art ergänzen sich die beiden unter anderem arbeitstechnisch perfekt: »Wir sind beide offen für neue Ideen«, so Susi. »Ich glaube, wenn das nicht so wäre, wär es schwieriger.«

Stefan schätzt an seiner Susi ihre Treue, ihre Zuverlässigkeit und dass auf sie Verlass ist. Susi schätzt Stefans Humor, seine Treue und seine Hilfsbereitschaft. Als die beiden das aussprechen, blicken sie sich verliebt in die Augen. Apropos Liebe: Feiern sie denn den Valentinstag? »Natürlich«, heißt es prompt. Das Paar lässt es sich dann bei einem schicken Essen gut gehen.

Und wenn sie irgendwann in der Zukunft einmal nicht mehr im Bauchgfui arbeiten, wird es ihnen dennoch nicht zu langweilig. Der Plan für die Rente: »Wir kaufen uns eine Harley, packen die Zahnbürstel ein und reisen durch Europa.«           Annabelle Voss

Bildtext:

Ein Herz und eine Seele: Susi und Stefan Kraus. Im Hintergrund an der Wand hängt eine Urkunde. Stefan Kraus hat sie bekommen, da er 1992 für Queen Elisabeth in London gekocht hat.           (Foto: Voss)